#22 Warum bleiben die Aktienmärkte trotz Unsicherheiten so gelassen- KI Euphorie, Quartalszahlen und FED im Fokus

Shownotes

Die Berichtssaison der großen Technologiekonzerne ist gestartet – und die Reaktionen an den Börsen fallen teilweise heftig aus. Microsoft überzeugt mit starken Quartalszahlen, während Meta, Amazon und Apple ein gemischtes Bild liefern. Doch rechtfertigen die Ergebnisse weiterhin die hohen Erwartungen rund um künstliche Intelligenz?

Janine Kurzrock und Thomas Rößler sprechen außerdem über die schwierige Lage der deutschen Automobilindustrie, den zunehmenden Wettbewerb aus China und die Frage, welche deutschen Branchen derzeit positiv überraschen. Weitere Themen sind der Iran-Konflikt und seine Auswirkungen auf den Ölpreis sowie die aktuelle Zinspolitik der Europäischen Zentralbank und der US-Notenbank.

Zum Abschluss wird es etwas weniger finanzpolitisch: Welcher Begriff wird das Jugendwort des Jahres 2026 – und verstehen Eltern eigentlich noch, wie ihre Kinder sprechen?

Themen dieser Folge:

Quartalszahlen von Microsoft, Meta, Amazon und Apple KI-Euphorie und hohe Investitionen in Rechenzentren Extreme Kursbewegungen bei großen Technologiekonzernen Warum langfristiges Investiertbleiben sinnvoll sein kann Die aktuelle Lage der deutschen Automobilindustrie Chinesische Konkurrenz und der Wandel zur Elektromobilität Positive Unternehmenszahlen aus anderen deutschen Branchen Bürokratie und langsame Veränderungsprozesse in Deutschland Iran-Konflikt, Handelswege und die Entwicklung des Ölpreises Zinspolitik von EZB und US-Notenbank Ausblick auf mögliche Zinsentscheidungen Die Wahl zum Jugendwort des Jahres 2026

Im Gespräch: Janine Kurzrock und Thomas Rößler

Weitere Informationen zu Mademann & Kollegen finden Sie unter: https://www.mkvv.de

Wichtiger Hinweis: Die Inhalte dieser Podcastfolge dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen weder eine Anlageberatung noch eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar.

Transkript anzeigen

Finanzgefragt – Der Börsenrückblick für Juli 2026

Janine:Herzlich willkommen zu einer brandneuen Folge von „Finanzgefragt“, dem Podcast rund um Finanzen, Börse und Kapitalmärkte.

Die großen Technologiekonzerne haben begonnen, ihre Quartalszahlen zu veröffentlichen – darunter Microsoft, Meta, Amazon und Apple. Mein Name ist Janine Kurzrock und ich spreche heute wieder mit meinem Kollegen Thomas über den vergangenen Börsenmonat.

Hallo Thomas, schön, dass du heute hier bist.

Thomas:Hallo Janine, sehr gerne.

Janine:Ich habe gerade schon einige Themen vorweggenommen, die in diesem Monat spannend waren – vor allem zum Ende des Monats hin. Die Sommermonate sind bekanntlich häufig etwas ruhiger und an den Märkten passiert nicht ganz so viel. Dafür haben die Nachrichten, die in dieser Zeit veröffentlicht werden, möglicherweise einen größeren Hebeleffekt auf die Märkte als in Phasen, in denen ohnehin sehr viel passiert.

Lass uns direkt mit dem Thema beginnen, das für unsere Zuhörer wahrscheinlich besonders spannend ist: Wie haben die großen Technologiekonzerne berichtet? Ist die KI-Euphorie größer als die Sorge vor den Auswirkungen künstlicher Intelligenz? Wo stehen wir aktuell?

Thomas:Bei den vier großen Unternehmen, die du genannt hast, haben wir ein eher uneinheitliches Bild gesehen. Die Zahlen haben den Markt aber deutlich bewegt.

Den Anfang machte Microsoft. Das Unternehmen hat sehr gute Zahlen vorgelegt, die über den Erwartungen lagen. Ich möchte jetzt nicht auf die einzelnen Gewinne und Umsätze eingehen, aber der Konsens war eindeutig: Die Ergebnisse waren besser als erwartet.

Der Kurs hatte in der Vergangenheit etwas nachgegeben, weil Sorgen im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz aufgekommen waren. Die Frage lautete sinngemäß: Werden Softwareunternehmen künftig überhaupt noch gebraucht oder werden sie durch KI-Programmierung ersetzt?

Microsoft hat eindrucksvoll gezeigt, dass dies nicht der Fall ist, dass das Unternehmen weiterhin gutes Geld verdient und offenbar nach wie vor einer der wichtigsten Akteure in diesem Geschäft ist. Der Kurs ist zeitweise um 15 bis 17 Prozent gestiegen. Da die Zahlen in den Vereinigten Staaten nach Börsenschluss veröffentlicht wurden, zeigte sich diese sehr positive Reaktion zunächst im nachbörslichen Handel.

Am selben Abend hat Meta, also der Facebook-Konzern, seine Zahlen veröffentlicht. Dort war das Bild etwas gemischter und unter dem Strich eher enttäuschend.

Bei den großen Technologiekonzernen beziehungsweise Hyperscalern wird zunehmend auf die Ausgaben geschaut. Dabei geht es insbesondere um die Investitionen in Rechenzentren und die Frage, wie sich diese auswirken und ob die hohen Ausgaben weiterhin gerechtfertigt sind.

Ich glaube, dass uns dieses Thema auch in den kommenden Quartalen begleiten wird, weil diese Frage immer wieder auftaucht. Bei Meta waren die Ausgaben weiterhin hoch – und das hat dem Markt nicht besonders gut gefallen. Microsoft hatte ergänzend angedeutet, die Ausgaben möglicherweise etwas zurückzufahren. Das wurde zusätzlich positiv aufgenommen.

Anschließend haben wir auf die Zahlen von Amazon und Apple geschaut. Auch dort zeigte sich ein gemischtes Bild. Bei Amazon ist insbesondere AWS sehr gut gelaufen und hat einen starken Ergebnisbeitrag geliefert. Nachbörslich ging es für die Aktie um neun Prozent nach oben. Das war wirklich ein sehr gutes Ergebnis.

Auf der anderen Seite stand Apple mit eher durchwachsenen Zahlen. Richtig schlecht waren diese keinesfalls. Apple hatte sich im Juli erneut zum wertvollsten Unternehmen der Welt entwickelt. Die Zahlen wurden jedoch nicht euphorisch aufgenommen. In den einzelnen Geschäftsbereichen gab es Licht und Schatten.

Die möglicherweise erhoffte klare Antwort auf die Frage, ob die Sorgen berechtigt sind oder die KI-Euphorie bestätigt wird, haben wir somit nicht bekommen.

Jetzt müssen wir schauen, wie die weiteren Unternehmen berichten. Am 26. August werden nach Börsenschluss die Zahlen von Nvidia veröffentlicht.

Darauf schauen natürlich immer alle: Kann Nvidia erneut nahezu sämtliche Erwartungen pulverisieren, wie es in der Vergangenheit teilweise der Fall war, und damit weiterhin den Takt vorgeben?

Aufgrund der hohen Gewichtung dieser Unternehmen in den Indizes sind ihre Kursbewegungen deutlich spürbar. Wenn man sich die Indizes in den vergangenen Tagen angesehen hat, konnte man erkennen, dass die starke Entwicklung von Microsoft auch andere Werte mitgezogen hat. Micron und SK Hynix, die zuvor deutlich nachgegeben hatten, lagen in diesem Sog zeitweise ebenfalls zehn bis 15 Prozent im Plus.

Sowohl der S&P 500 als auch der Nasdaq konnten während des Handels zeitweise um zwei bis drei Prozent zulegen.

Janine:Das liegt natürlich auch daran, dass die Marktkapitalisierung dieser Unternehmen so groß ist.

Ich finde die Entwicklung sehr spannend. Eine Zeit lang gab es im Technologiebereich gefühlt nur eine Richtung – und die führte nach oben. Jetzt merkt man, dass inzwischen etwas mehr passieren muss als lediglich die Veröffentlichung guter Zahlen, damit eine entsprechende Kursbewegung ausgelöst wird.

Thomas:Da möchte ich noch kurz einhaken. Ich finde die extremen Ausschläge nach wie vor bemerkenswert. Darüber haben wir bereits in den vergangenen Monaten gesprochen.

Wenn ein Unternehmen wie Microsoft an einem Tag um 15, 16 oder 17 Prozent zulegt, entspricht das einem Börsenwertgewinn von rund 450 Milliarden US-Dollar. Das ist der höchste Wertzuwachs, den ein Unternehmen jemals innerhalb eines Tages verzeichnet hat.

Natürlich muss man dabei auch die enorme Größe des Unternehmens berücksichtigen. Trotzdem gab es solche Bewegungen früher nicht. Selbst bei guten Zahlen lag das Plus möglicherweise bei drei, vier oder fünf Prozent. Bei schlechten Zahlen ging es entsprechend in die andere Richtung.

Heute sehen wir sehr schnell Ausschläge zwischen zehn und 20 Prozent – und das bei Unternehmen, die alles andere als kleine Firmen sind, wenn man es einmal salopp formuliert.

Janine:Das ist möglicherweise auch ein guter Beleg für die Strategie, die wir verfolgen. Es ist häufig sinnvoller, nicht jede Bewegung mitzumachen. Sonst verpasst man im Zweifelsfall den besten Börsentag. Wer investiert bleibt und eine gewisse Ruhe bewahrt, nimmt an solchen positiven Bewegungen weiterhin teil.

Das gilt jetzt einmal losgelöst von einem Einzeltitel, den man möglicherweise im Depot hält. Gerade die großen Unternehmen sind auch in den wichtigen Indizes, ETFs und aktiv gemanagten Fonds entsprechend stark vertreten. Deshalb kann die Strategie, investiert zu bleiben, manchmal klüger sein als übermäßige Vorsicht.

Thomas:Genau.

Janine:Selbst wenn es – bleiben wir noch einmal bei Microsoft – eine Zeit lang möglicherweise nicht ganz nachvollziehbar war, warum die Aktie so stark abgestraft wurde. Für diesen Effekt ist die anschließende Entwicklung ein gutes Beispiel.

Verlassen wir den amerikanischen Markt an dieser Stelle. Wir werden natürlich weiterhin beobachten, wie die nächsten Unternehmen berichten – insbesondere Nvidia.

Lass uns nun einen Blick nach Deutschland werfen. Auch hier haben inzwischen einige Unternehmen ihre Zahlen veröffentlicht.

Gerade die Automobilindustrie ist für mich ein wichtiges Thema. Früher gehörte sie zu den großen Markttreibern in Deutschland. Unser Land war dafür bekannt, die besten Autos zu bauen. Die Automobilindustrie hat einen erheblichen Teil zum Wirtschaftswachstum beigetragen.

Wie sieht die Situation aktuell aus?

Thomas:Mit Blick auf das gesamte Branchenbild würde ich die Automobilindustrie momentan als den kranken Mann Deutschlands bezeichnen.

Das ist natürlich sehr traurig, weil wir in Deutschland eng mit diesem Bereich verbunden sind. Die Automobilbranche ist ein sehr großer Arbeitgeber. Dabei geht es nicht nur um einzelne Unternehmen, sondern auch um die zahlreichen Zulieferbetriebe und damit um sehr viele Arbeitsplätze.

In den vergangenen Jahren haben wir gegenüber dem chinesischen Markt teilweise den Anschluss verloren. Das war auch immer wieder in der Presse zu lesen. Wenn man sieht, welche Autos dort inzwischen gebaut werden – insbesondere im Bereich der Elektromobilität – und wie diese Fahrzeuge auf unseren Markt drängen, ist das schon bemerkenswert.

Ich bin in diesem Bereich natürlich Laie und fahre lediglich Auto. Deshalb kann ich die Qualität nicht abschließend beurteilen. Früher hieß es jedoch oft, aus China komme nur minderwertiger Plastikmist. Wenn man etwas anfasste, wirkte alles schlecht und man wusste nicht, wie zuverlässig die Fahrzeuge tatsächlich waren.

Die Zahlen belegen inzwischen etwas anderes. Auch bei der Haptik und beim Fahrgefühl stehen chinesische Fahrzeuge den deutschen Modellen offenbar kaum noch nach. Das kenne ich aus Gesprächen mit verschiedenen Freunden und Bekannten, die ein chinesisches Auto fahren.

Janine:Hinzu kommt der Preisvergleich. Bei einem ausländischen Hersteller bekommt man häufig für deutlich weniger Geld ein nahezu vollständig ausgestattetes Auto. Bei deutschen Automobilherstellern muss man dafür wesentlich tiefer in die Tasche greifen.

Ob das deutsche Fahrzeug dann tatsächlich immer besser ist, ist fraglich. Früher war das definitiv so. Inzwischen müssen die deutschen Hersteller jedoch mehr bieten, um sich weiterhin deutlich abzuheben. Andernfalls zahlt man im Zweifelsfall hauptsächlich für den Namen.

Thomas:Genau. Bei den großen Konzernen wie Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW hat sich durch die neuen Modelle schon einiges bewegt. Man merkt auch, dass diese Fahrzeuge angenommen werden – natürlich in einem anderen Preissegment.

Ich habe kürzlich einen Artikel über Firmenwagenflotten gelesen. Demnach haben Elektroautos erstmals die Benziner beim Anteil an den Firmenwagen verdrängt. Ein großer Teil dieser Elektrofahrzeuge stammt von deutschen Herstellern. Der eingeschlagene Weg ist daher grundsätzlich richtig.

Nichtsdestotrotz zeigen sich die Probleme langfristig deutlich. Es gibt immer wieder Schlagzeilen darüber, welche Unternehmen wie viele Tausend Arbeitsplätze abbauen oder Abfindungsangebote unterbreiten. Volkswagen, Porsche und BMW schlagen in dieselbe Kerbe. Die Situation in der Automobilbranche bleibt daher schwierig.

Auf der anderen Seite sehen wir, dass andere Bereiche sehr gut unterwegs sind. RWE hat gute Zahlen veröffentlicht. Die Deutsche Bank hat ein Rekordergebnis vorgelegt und auch die Allianz entwickelt sich positiv.

Man merkt, dass sich die Konstellation verändert hat. Auch BASF hatte lange Zeit Probleme – unter anderem aufgrund der hohen Energie- und Strompreise. Die Chemieindustrie ist schließlich sehr energieintensiv. BASF schafft es jedoch zunehmend, sich zu konsolidieren und besser aufzustellen.

Das stimmt mich trotz der schwierigen Rahmenbedingungen des Iran-Krieges recht optimistisch. Darüber können wir gleich noch einige Worte verlieren. Der Krieg beeinflusst natürlich den Ölpreis und damit in der weiteren Kette auch die Inflation. Das macht die Situation schwieriger.

Janine:Man muss leider sagen, dass wir in Deutschland teilweise zu langsam sind.

Ich war Anfang des Jahres in Japan und habe dort eine ganz andere Kultur wahrgenommen – unter anderem beim Thema Weiterentwicklung und Geschwindigkeit. Wenn es dort beispielsweise eine Baustelle gibt, ist sie innerhalb von zwei oder drei Tagen abgeschlossen.

Bei uns merkt man, dass der Wille zur Veränderung grundsätzlich vorhanden ist. Der Weg dorthin dauert aber manchmal einfach zu lange, weil sich die zuständigen Instanzen nur langsam bewegen.

Ich glaube, dass die deutschen Unternehmen weiterhin ihre Daseinsberechtigung haben. Die Entwicklung dauert jedoch häufig zu lange. Wenn ich mir anschaue, wie andere Länder bereits mit künstlicher Intelligenz umgehen und wo wir im Vergleich dazu stehen, ist es kein Wunder, dass wir teilweise hinter anderen Ländern und Nationen zurückliegen.

Thomas:Damit sind wir bei dem schönen Wort „Bürokratie“, das über allem schwebt. Viele Bereiche sind bei uns – anders als in anderen Ländern – staatlich organisiert.

Janine:Zum Beispiel Brücken, Autobahnen und die Eisenbahn.

Thomas:Wobei ich gehört habe, dass die Bahn ein sehr gutes Ergebnis erzielt hat. Man weiß noch nicht genau, was der Auslöser dafür war.

Janine:Abgesehen von der Pünktlichkeit, oder?

Thomas:Auch die soll besser werden. Es wurde aber auch darüber spekuliert, dass die hohen Spritpreise ein Grund für das gute Ergebnis waren könnten.

Worauf ich eigentlich hinauswollte: In vielen anderen Ländern sind solche Bereiche privatisiert und dort geht es häufig schneller. Bei uns gibt es zahlreiche Verfahrensketten, in denen unterschiedliche Zulassungen, Berechtigungen, Stempel und Ähnliches benötigt werden.

Wenn jemand aus der Privatwirtschaft hinter einer Investition steht, besteht eine andere Motivation. Nach einer Investition möchte man möglichst schnell Geld verdienen. Das ist in vielen anderen Ländern anders organisiert als bei uns.

Janine:Das bleibt auf jeden Fall spannend. Die Politik kann man leider nur bedingt beeinflussen. Es ist gut, dass wir in einer Demokratie leben. Ob allerdings sämtliche Entscheidungen tatsächlich immer im Interesse der Wähler getroffen werden, steht auf einem anderen Blatt.

In diesem Jahr finden zudem die Zwischenwahlen in den USA statt. Auch dieses Thema dürfte uns in der zweiten Jahreshälfte begleiten. Es bleibt spannend abzuwarten, wie sich die Situation entwickelt.

Lass uns noch kurz einen Blick auf den Ölpreis werfen. Du hast das Thema gerade bereits angesprochen. Über den Markt haben wir gesprochen und der Iran-Krieg schwebt weiterhin über allem.

Wie ist der aktuelle Stand? Ich merke es vor allem beim Tanken. Wenn ich die Preise sehe, würde ich am liebsten wieder umdrehen und das Fahrrad holen.

Thomas:Seit dem 1. Juli ist in Deutschland der Tankrabatt weggefallen. Das hat man sehr schnell an den deutlich gestiegenen Spritpreisen gemerkt.

Der Ölpreis gehörte im Juli zu den Werten, die stärker schwankten. Seine Entwicklung hängt natürlich eng mit dem Verlauf des Konflikts zusammen.

Die Feuerpause und das Rahmenabkommen bestehen grundsätzlich weiterhin. Die Vereinbarung wurde im Juli jedoch gebrochen. Seit rund 14 Tagen kommt es erneut zu gegenseitigen Angriffen, beispielsweise mit Raketen. Zeitweise darf ein Schiff durch die Straße von Hormus fahren, dann wiederum nicht.

Der Ölpreis reagiert darauf wesentlich sensibler als viele andere Märkte.

Hinzu kam die Meldung, dass der Iran sich möglicherweise mit den Huthi-Rebellen im Jemen abgestimmt hat beziehungsweise sich eine Zusammenarbeit gewünscht haben soll. Bei der Formulierung muss man vorsichtig sein.

Im Zusammenhang damit spielt eine weitere Meerenge eine Rolle: die Meerenge Bab al-Mandab. Das musste ich ablesen.

Janine:Das ging dir jetzt aber leichter über die Lippen als „Dornröschen“ eben im Video.

Thomas:Das konnte ich jetzt ablesen.

Sollte diese Meerenge geschlossen werden oder sollten dort Gebühren erhoben werden, hätte das ebenfalls Folgen. Auch über diese Route werden große Mengen Öl in die Welt exportiert.

Falls sowohl die Straße von Hormus als auch die Meerenge Bab al-Mandab geschlossen würden, hätte das einen extremen Einfluss auf den Ölmarkt.

Mich stimmt weiterhin positiv, dass grundsätzlich alle Seiten eine politische und diplomatische Lösung anstreben. Mit den Personen, die letztlich am Verhandlungstisch sitzen, dürfte das allerdings schwierig werden.

Donald Trump ist – soweit wir ihn über die Presse kennen – heute so und morgen wieder anders. Die Iraner wiederum sind ein sehr stolzes Volk. Deshalb muss man abwarten, wie sich die Situation entwickelt.

Ich hatte außerdem gelesen, dass es beim Thema Israel, Hamas und USA eine weitere Entwicklung gegeben hat. Nachdem es dort seit Oktober 2025 relativ ruhig war, soll nun ein weiterer Schritt in Richtung eines Friedensvertrages erfolgt sein. Demnach soll die Hamas ihre Waffen vollständig abgeben.

So wurde es zumindest berichtet. Ich möchte das an dieser Stelle nicht weiter kommentieren. Man muss abwarten, ob es tatsächlich so kommt.

Daran sieht man jedoch, dass es zwar lange dauern kann, bis man auf einen gemeinsamen Nenner kommt, es aber grundsätzlich möglich ist – sofern alle beteiligten Parteien daran interessiert sind. Deshalb hoffe ich, dass auch im Iran-Konflikt zeitnah eine Lösung gefunden wird.

Du hast gerade die Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten im November angesprochen. Donald Trump bräuchte dringend etwas, das er in den USA als Erfolg verkaufen kann, damit die Wahlen für ihn nicht zu einer völligen Bruchlandung werden. Momentan sieht es für ihn alles andere als gut aus.

Janine:Absolut. Allerdings hat er auch selbst hart daran gearbeitet, dass die Situation für ihn inzwischen nicht mehr ganz so positiv aussieht.

Lass uns den inhaltlichen Teil heute mit einigen Sätzen zur aktuellen Zinssituation beenden. Wie sieht es momentan aus und welche Entwicklungen sind in den kommenden Monaten möglich?

Thomas:Beginnen wir mit der Europäischen Zentralbank. Die EZB hat entschieden, die Zinsen unverändert zu lassen.

Die Inflation bereitet weiterhin Sorgen, auch wenn sie sich auf einem ganz anderen Niveau bewegt als zu Beginn des Russland-Ukraine-Krieges. Deshalb fährt die EZB weiterhin auf Sicht.

Wenn die Inflation nicht wieder dramatisch ansteigt, wird sich das Zinsniveau wahrscheinlich bis zum Jahresende innerhalb des aktuellen Korridors bewegen.

In den Vereinigten Staaten sieht es zumindest beim Ausblick etwas anders aus. Anfang des Jahres hieß es noch, dass wir möglicherweise eine oder zwei Zinssenkungen bekommen könnten.

Dann wurde Kevin Warsh als neuer Vorsitzender der US-Notenbank vorgeschlagen, gewählt und bestätigt. Darüber hatten wir bereits gesprochen. Mit ihm hat sich auch die Kommunikation der Fed etwas verändert.

Früher gab es immer einen relativ klaren Ausblick darauf, wie die nächste Entscheidung wahrscheinlich ausfallen würde. Dadurch wussten die Börsen am Tag der Entscheidung bereits mit hoher Wahrscheinlichkeit, ob die Zinsen unverändert bleiben, steigen oder sinken würden. Das war meistens bereits in den Kursen eingepreist und Überraschungen gab es nur sehr selten.

Das ist inzwischen anders. Kevin Warsh lässt die weitere Entwicklung stärker im Dunkeln.

Bei der letzten Abstimmung hat sich die Fed zunächst für einen gleichbleibenden Zins entschieden. Allerdings war die Abstimmung nicht einstimmig. Das hatte es schon länger nicht mehr gegeben. Daran erkennt man, dass innerhalb der Notenbank unterschiedliche Lager vorhanden sind.

Die amerikanische Wirtschaft ist relativ stabil und das Wachstum verteilt sich inzwischen stärker auf verschiedene Bereiche. Es sind nicht mehr ausschließlich die Technologiekonzerne, die den entscheidenden Ergebnisbeitrag liefern.

Ob wir noch eine Zinserhöhung sehen werden, hängt vor allem davon ab, wie sich die Inflation entwickelt und welche Ideen Kevin Warsh oder Donald Trump dazu haben.

Donald Trump hält sich bisher auffallend zurück. In der Vergangenheit hat er sich gerne in die Geldpolitik eingemischt und sehr klar gesagt, welche Entscheidung die Fed aus seiner Sicht treffen sollte.

Da Donald Trump Kevin Warsh vorgeschlagen hatte, bestand zunächst die Sorge, Warsh könne lediglich eine Art Marionette Trumps sein. Zumindest liest man darüber derzeit nicht viel.

Der Ausblick könnte daher so aussehen, dass es möglicherweise noch eine Zinserhöhung gibt. Die Märkte haben diese Möglichkeit bereits weitgehend eingepreist. Eine Zinssenkung halte ich für den Rest des Kalenderjahres 2026 eher für unwahrscheinlich.

Janine:Dann würde ich sagen, dass wir mit unserem Börsenrückblick inhaltlich durch sind. Vielen Dank.

Ich habe zum Abschluss aber noch eine spannende private Frage. In den vergangenen Tagen habe ich im Radio immer wieder etwas über die Wahl zum Jugendwort des Jahres gehört. Da du zwei Kinder zu Hause hast: Was glaubst du, welches Wort wird das Jugendwort 2026?

Ich finde das Thema total spannend. Verstehst du deine Kinder zu Hause überhaupt noch?

Thomas:Einige Begriffe verstehe ich schon. „6-7“ ist natürlich bekannt, ebenso wie „Schere“.

Manchmal kann man das ein wenig auf die Spitze treiben und die Kinder mit ihren eigenen Waffen schlagen, indem man die Begriffe selbst so häufig verwendet, dass es sie irgendwann nervt.

Bei uns zu Hause klappt die Verständigung allerdings wirklich gut. Deshalb verstehe ich noch relativ viel. Es kommt nur selten vor, dass ich fragen muss: „Was war das jetzt?“

Soweit ich weiß, stehen zehn Wörter zur Auswahl.

Janine:Ich habe die Begriffe im Radio gehört, bekomme aber nicht mehr alle zusammen. Es war auch irgendetwas mit Käse dabei.

Thomas:„Guter Käse.“

Janine:„Guter Käse“ anstelle von „erste Sahne“, wie wir Boomer es vielleicht noch kennen – wobei ich mich eigentlich noch als Millennial bezeichnen würde.

Mit den Begriffen, die ich während meiner Schulzeit verwendet habe, käme ich heutzutage vermutlich auch nicht mehr weit. Ich finde es auf jeden Fall spannend, wie sich Sprache entwickelt und wie man sich unterhalten kann. Wahrscheinlich hat das aber jede Generation über die jeweils jüngere Generation gedacht.

Thomas:„Du bist gut genug“ steht ebenfalls zur Auswahl.

Janine:Genau, das ist auch dabei.

Wir nähern uns inzwischen dem Ende des Augusts. Deshalb könnten wir das Ergebnis im nächsten Podcast auflösen.

Thomas:Dann müssen wir schauen, ob wir am Ende „Schere“ sagen müssen, weil wir einen anderen Favoriten hatten.

Janine:Oder ob wir einen „Crush-out“ haben. Es bleibt auf jeden Fall spannend.

Kommentiert doch gerne auf unseren Plattformen beziehungsweise bei den Streamingdiensten unter der Folge, welches Jugendwort euer Favorit ist. Das würde uns interessieren.

In diesem Sinne wünsche ich dir einen schönen Urlaub. Du hast jetzt noch Urlaub vor dir und ich freue mich bereits auf die nächste Folge. Es könnte allerdings sein, dass diese mit unserem Kollegen Daniel oder einem anderen Kollegen stattfindet. Denn wenn bei euch die Ferienzeit endet, fängt sie bei mir an.

Vielen Dank für deine Zeit.

Thomas:Sehr gerne.

Janine:Vielen Dank an alle fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.

Thomas:Auf Wiedersehen.

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